• Identifikation von Erzählmustern

       

      Identifizieren Sie in einem ersten Schritt märchentypische Merkmale im Text und fassen Sie diese stichwortartig in einer Liste zusammen.

       

      Informieren Sie sich vorher über die Gattung Märchen im gleichnamigen Podcast in dieser Studieneinheit

       

      Hinweis: Da Die zertanzten Schuhe ein typisches Grimm-Märchen sind, sollten Sie wenigstens zehn Merkmale finden können.

       


       

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    • Lösungshinweis "Erzählmuster" Archivo
    •  Identifikation kulturhistorischer Zusammenhänge

      „Die zertanzten Schuhe“ liefert als Titel nicht nur ein einprägsames Bild für das gesamte Märchen, sondern auch einen Hinweis auf eine kulturgeschichtlich bedeutsame Verschiebung: Das 19. Jahrhundert war ein Jahrhundert, in dem der Tanz besondere Bedeutung hatte. Zeitweilig wurde in nahezu allen Ländern, auch in Übersee, „Tanzsucht“ registriert. Besonders attraktiv war der allerorten und in allen Schichten getanzte Walzer. Auch Contratänze, Galopp, Polka, Mazurka und Quadrille waren beliebt. Figuren-, Schreit- und traditionsreiche Hoftänze wie Rigaudon, Gigue, Gavotte, Allemande und Menuett galten als nicht mehr zeitgemäß. Gleichwohl blieben die sozialen Schranken gewahrt, denn die Aristokratie und generell die oberen Klassen tanzten zwar dieselben angesagten Tänze wie die unteren, grenzten sich aber durch aufwändige Kleidung, exklusive Einladungen oder hohe Eintrittspreise für Tanzveranstaltungen ab (vgl. Salmen, S. 5-7). Dies ist ein Realitätssplitter, der im Märchen „Die zertanzten Schuhe“ durch den unterirdischen, geheimen Zugang zu einem Schloss und die kostbaren Bäume aus Silber, Gold und Diamanten angedeutet sein könnte sowie durch den Umstand, dass dort ausschließlich die kostbar gekleideten Prinzessinnen und ihre Prinzen Zugang haben und exzessiv dem Tanzvergnügen frönen. Und zwar tun sie das im Paartanz, denn es heißt im Text: „jeder Prinz tanzte mit seiner Liebsten“. Der Umstand, dass die jungen Frauen heimlich mit ihren Geliebten tanzen und deren körperliche Nähe genießen, ist gleichfalls typisch für die herkömmliche Kommunikationssperren aufhebende Freiheit, die sich nach und nach im Verlauf des 19. Jahrhunderts immer weiter Bahn bricht: 

      „Tanzen wurde im 19. Jahrhundert zwar weiterhin durch moralische Bedenken sowie durch behördliche Erlasse eingeschränkt, die regional bis zu einem Fünftel des Jahres zu tanzlosen Tagen […] erklären konnten, dennoch weitete es sich in ‚geschlossenen Gesellschaften‘ wie auch in den für jedermann zugänglichen öffentlichen veranstaltungen beträchtlich aus. Diese Expandierung begann in Frankreich nach dem Ende der Terrorherrschaft Robespierres (1794) mit einer Manie von Bällen, in denen sich das Volk, lebenshungrig nach ‚Zerstreuung‘ suchend, gegen die Todesmaschinerie behauptete“ (Salmen 1989, S. 13).

      Das Märchen thematisiert folglich das zunehmende Amüsierbedürfnis seiner Zeit, das auch den Adel erfasst hatte. 


      Kleine Schreibaufgabe Realitätssplitter

      Bitte überlegen Sie, was weitere Realitätssplitter sein können, die trotz aller märchenhaften Züge „Die zertanzten Schuhe“ und die darin auftretenden Figuren prägen.  


       

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    • Lösungshinweis "Realitätssplitter" Archivo
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    • Versionen

      Bitte vergleichen Sie „Die zertanzten Schuhe“ mit den beiden Fassungen, über die Sie in dem Anmerkungsband der Brüder Grimm Informationen finden (S. 1077-1079), und zwar hinsichtlich

      1. der auftretenden Figuren (wer? wie viele?)

      2. der Funktion der Schuhe

      3. der Gestaltung von Liebe und Erotik.


       

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    • Lösungs- und Reflexionshinweis "Versionen" Archivo
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