• Ein starker persönlicher Ehrbegriff regiert Hebbels Stück „Maria Magdalena“, der in engem Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Schande steht, die aus einer öffentlichen Ehrverletzung resultiert. Reflektieren Sie die Verstrickung der Außen- und Innenperspektive dieser beiden Phänomene, indem Sie ein besonderes Augenmerk auf die Figur des Meister Anton legen.

      Bei Klara handelt es sich um die in der Hebbel-Forschung umstrittenste Figur des Stücks. Uneinigkeit herrscht dabei vor allem in der Frage, wie weit ihre Abhängigkeit von dem von ihr geliebten Vater und den durch ihn vertretenen gesellschaftlichen Gesetzen reicht, wie weit sie sich also tatsächlich mit den patriarchalischen Normen identifiziert. Reduziert man Klara auf eine ihrer Kernaussagen: „Ich bin die Tochter meines Vaters“ (Hebbel 2005, S. 95), so bleibt ihre Existenz notwendig in einer rein relationalen Bezüglichkeit befangen. Ihre Selbst-Losigkeit ist dann gleichbedeutend mit einem fehlenden Eigen-Leben der Figur.

    • Erschließungsfragen Dualismus von Mann und Frau

      Ein zentrales Problem von Hebbels gesamtem Schaffen ist der Gegensatz zwischen Mann und Frau, der für ihn eine von vielen Ausformungen des in der Welt herrschenden Dualismus ist. Achten Sie bei der Lektüre der „Maria Magdalena“ darauf, wie sich die Frontstellung von Mann und Frau in der Dialogführung äußert. Mann der herrisch über einen Zaun auf eine knieende Frau blickt.
        Maria Magdalena, Inszenierung von 1939, CC BY Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, E 18 III Bü 281.

       

       

    • Erschließungsfrage

      Soziale Determiniertheit der Figuren

      Lesen Sie vor dem Hintergrund dieser Ausführungen die Szenen 1 und 2 des 2. Akts. Reflektieren Sie, auf welche Weisen sich die soziale Determiniertheit Klaras darstellt und sondieren Sie Elemente der Widerständigkeit und der Fügsamkeit der Protagonistin in diesen beiden Szenen.

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      Erschließungsfragen

      Beziehung zwischen Klara und ihrem Vater

      Legen Sie nun einen besonderen Fokus auf die Beziehung zwischen Klara und ihrem Vater Meister Anton. Welche Ansprüche stellt er an sie und wie verhält sich Klara zu diesen Ansprüchen?

      Deutungsfragen
      Bürgerliche Kleinfamilie

      Weiten Sie nun Ihren Blick auf die ganze Familie Klaras. Betrachten Sie sie als den Prototypen einer bürgerlichen Kleinfamilie. Vollziehen Sie nun die Entwicklung dieser Familie im Durchgang durch das Stück nach, die zu Beginn des Stücks noch vollzählig vorhanden ist. Was bedeutet demzufolge zuletzt Klaras Tod für die Existenz der bürgerlichen Familie und der bürgerlichen Gesellschaft im Ganzen?

      Gehen Sie zu den finalen Worten Meister Antons, der als letzter Repräsentant der bürgerlichen Kleinfamilie in „Maria Magdalena“ zurückbleibt. Welche Haltung spricht sich in seiner Äußerung aus: „Ich verstehe die Welt nicht mehr!“ (Hebbel 2005, S. 95)?

      Maria Magdalena, Inszenierung von 1939, CC BY Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, E 18 III Bü 281. Weitwinkel Bühnenbild zweier Figren in einer Hauskulisse. Sie spricht ihn an, er schaut ins Publikum.
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    • Erschließungsfragen
      „Antibürgerliches Trauerspiel“

      Hebbels Stück wird auch als „antibürgerliches Trauerspiel“ bezeichnet. Achten Sie bei der Lektüre des Stücks darauf, wie die Vertreter des Bürgertums dargestellt werden, mit welchen Charakterzügen und Attributen sie ausgestattet werden und auf welche Weisen die Werthorizonte, die Normen, die Verhaltensweisen und die Vorstellungen des Bürgertums präsentiert werden. Arbeiten Sie dies für jede Figur im Einzelnen mit Blick auf ihren Bezug zur Gesellschaft heraus.