Liebe, Höfische Kultur und Herrschaft 1100-1600
Perfilado de sección
-
-
In den 1230er Jahren verfasste Rudolf von Ems auf der Grundlage eines französischen Werks (womöglich „Jehan et Blonde“ Philippes de Remi) einen Roman, der um die Liebe zwischen Willehalm und Amelie, ihre Trennung und Wiedervereinigung sowie die ritterliche Bewährung Willehalms kreist. Der Text, der für zahlreiche spätere Romane modellbildend war, wurde im Mittelalter breit überliefert und (in modifizierter Form) sogar gedruckt.
Der Roman lässt sich der Gattung des „Liebe- und Abenteuerromans“ zuordnen, der in der Forschung auch mit der Junktur „Fürsten- und Herrschaftsroman“ benannt wurde. Entscheidend ist diesseits generischer Etikettierungen, dass in dem Text Fragen der Bewährung im Kampf (‚Abenteuer‘), die affektive Bindung der Protagonist:innen (‚Liebe‘) und eine Situierung im hochadligen Milieu (‚Fürst‘, ‚Herrschaft‘) eng geführt werden. Dabei werden Codierungen verwandt, die der ‚höfischen Kultur‘ entstammen, nicht also allgemein menschliche Zustände, Verfahren und Erwartungen thematisieren.
Charakteristisch für den Text ist die Verbindung einer Reflexion auf gute und gerechte Herrschaft mit der Darstellung einer Liebeshandlung. In beiden Fällen prägen Normen der hochadligen Hofgesellschaft den Text. Zugleich entstehen in ihrer Kombination Freiräume, die den Text zu mehr machen als zu einem ‚Fürstenspiegel‘.
Die Textgrundlage ist die frei verfügbare Ausgabe von Victor Junk von 1905.
-
Textgrundlage
Rudolf von Ems. Willehalm von Orlens. Eingeleitet und übersetzt von Gisela Vollmann-Profe, Münster: Lit-Verlag 2017 (mhd. Text nach Junk). (Diese Ausgabe beinhaltet eine Übersetzung!)
-