Unterstützte Kommunikation

Unterstützte Kommunikation (UK) bietet eine weitere Möglichkeit, die Verständigung zwischen Ihnen und Ihren Patient*innen zu verbessern. 
Es gibt einerseits Patient*innen, die bereits mit UK ausgestattet sind und Sie bitten, sich auf diese Kommunikationsform einzulassen. Andererseits gibt es auch Patient*innen, die UK noch nicht kennen, aber davon auch profitieren können, wenn Sie diese im Gespräch anbieten. In diesem Themenbereich stellen wir Ihnen einige Hilfsmittel und Strategien vor. 

Was ist Unterstützte Kommunikation?

Unterstützte Kommunikation bezeichnet im deutschsprachigen Raum sämtliche Strategien, Maßnahmen und Hilfsmittel, die Menschen mit komplexen Kommunikationsbedürfnissen in der Kommunikation unterstützen. Das Ziel von UK sind der Erhalt, die Wiederherstellung oder die Verbesserung der individuellen Ausdrucksmöglichkeiten.
UK ermöglicht es damit auch Menschen, die aufgrund von angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigungen in der Kommunikation eingeschränkt sind, sich zu äußern und verständlich zu machen.

Grundsätze zur Kommunikation mit unterstützt kommunizierenden Personen 

Das Gespräch richtet sich immer an die unterstützt kommunizierende Person. Klären Sie beim ersten Gespräch, ob und wenn ja, welche Kommunikationshilfen für die jeweilige Situation gebraucht werden. Informieren Sie das weitere medizinische Personal und vermerken Sie es bestenfalls in der Patient*innenakte.

Klicken Sie auf den Pfeil rechts im Bild, um die Grundsätze zu lesen.

Grafiken: OptiKomm.

Das folgende Video zeigt Ihnen exemplarisch, wie eine Ärztin und Patientin gemeinsam mit UK kommunizieren. 

 

 

Formen der Unterstützten Kommunikation 

Es werden drei Formen der Unterstützten Kommunikation unterschieden: 

1. Körpereigene Kommunikationsformen 2. Nicht elektronische Hilfsmittel 3. Elektronische Hilfsmittel
  • Verbale Äußerungen z. B. einzelne Laute
  • Körpersprache
  • Mimik
  • Gestik
  • Gebärden (natürliche, systematische)
  • Realgegenstände
  • Fotos
  • Zeichnungen
  • Karten, Tafeln oder Mappen mit Bildsymbolen und Schrift
  • Geräte zum Abspielen weniger Aussagen
  • Einfache elektronische Hilfen 
  • Kommunikationshilfen mit statischem Display
  • Kommunikationshilfen mit dynamischem Display
  • Tablet mit Kommunikations-App

 

Videoklappe Hier erklärt Frau Klapper Ihnen, welche Hilfsmittel und Strategien sie benutzt. 


 

Wie Frau Klapper im Video verdeutlicht, verwenden UK-Nutzer*innen häufig mehrere Formen von UK, um ein sogenanntes multimodales Kommunikationssystem zu schaffen, das möglichst viele Kommunikationsmöglichkeiten bietet.

Sie erhalten nun einen genaueren Einblick in die UK-Formen.

1. Körpereigene Kommunikationsformen

Körpereigene Kommunikationsformen lassen sich einfach, schnell und spontan anwenden. Auch Sie nutzen diese vermutlich schon in Ihrer Kommunikation. Besonders bei Personen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen sind sie oft hilfreich und sollten bewusst eingesetzt werden. 

Beispiel:
Wenn Sie eine*n Patient*in fragen, ob er*sie schon etwas getrunken hat und Sie unsicher sind, ob er*sie Sie versteht, dann nutzen Sie begleitend die Geste einer Trinkbewegung, um das Gesagte zu untermauern.

Manche Laute, Gesten, Gebärden und Blicke haben auch eine ganz spezifische Bedeutung für eine Person. Ihre Verwendung funktioniert nur, wenn alle an dem Austausch beteiligten Personen mit der Bedeutung vertraut sind.

Frau Klapper

Frau Klapper verwendet z. B. folgende körpereigene Kommunikationsformen:

  • Zunge schnalzen = Ich habe Durst
  • Brust hauen = Ich
  • Kopf hoch = Groß, hoch, mehr
  • Kopf herunter = Klein, tief, weniger

Kathrin Klapper, Foto: OptiKomm.

2. Nicht elektronische Hilfsmittel 

Das Spektrum der nicht elektronischen Hilfsmittel ist sehr breit. Sie unterscheiden sich in ihrer Abstraktheit, Darstellungsform sowie den verwendeten Materialien.

Gegenstände 

Gegenstände können Ihnen dabei helfen, Handlungen, Objekte oder Personen zu beschreiben.

  • Fragen Sie beispielsweise eine*n Patient*in, ob Sie ihre*seine Brust abhören dürfen, indem Sie auf das Stethoskop und anschließend auf die Brust der*des Patient*in zeigen.
  • Manche Objekte können eine spezifische Bedeutung für eine Person haben, welche unter den Beteiligten bekannt sein muss. So kann zum Beispiel der Gymnastikball für die Physiotherapie des*der Patient*in stehen.

Sie oder die unterstützt kommunizierende Person kann auf die Objekte aufmerksam machen, indem darauf gezeigt, danach gegriffen oder der Blick darauf gerichtet wird. 

Abbildungen 

Grafische Symbole wie Fotos und Bilder, die i.d.R. auf Karten, in Mappen oder Büchern abgebildet werden, stellen ein weiteres wichtiges Kommunikationsmittel dar.
Patient*innen, die sich mit UK verständigen, zeigen oder blicken auf Symbole und drücken damit ihre Nachricht aus. Es ist auch möglich, dass Sie oder der*die Patient*in die Aussage mit einer Zeichnung unterstützen oder vollkommen ersetzen. 
Grafische Symbole und Zeichnungen eignen sich besonders für Patient*innen mit kognitiven Beeinträchtigungen, mit geringer Literalität oder geringen Deutschkenntnissen. 

Lupe Auf den folgenden Bildern sehen Sie einige Beispiele für nicht elektronische UK mit Abbildungen.

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Fotos: OptiKomm

Schriftsprache 

Wenn der*die Patient*in in der Lage ist, zu lesen und zu schreiben, kann auch Schriftsprache bei der Verständigung helfen. 
Eine einfache und schnelle Möglichkeit ist die Schlüsselwortstrategie. Dabei notieren Sie während des Sprechens die wichtigsten Wörter, sogenannte Schlüsselwörter, der Aussage. Die Nomen und Verben der Nachricht vermitteln das Gesagte dabei meist am besten.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten Ihre Patientin Frau Müller Folgendes fragen, sind sich aber nicht sicher, ob Frau Müller alles versteht. Was würden Sie zusätzlich aufschreiben, um das Verständnis zu verbessern? 

Krankenschwester mit Sprechblase: Wo möchten Sie heute gewaschen werden? An der Bettkante oder am Waschbecken?

Grafik: Designed by Freepik. Sprechblase: OptiKomm.

 

Eine weitere Art über Schriftsprache zu kommunizieren, funktioniert mittels einer Buchstabentafel. Einen Einblick dazu erhalten Sie auf der Internetseite von Kathrin Klapper.

 

3. Elektronische Hilfsmittel

Es gibt eine große Vielfalt an elektronischen Kommunikationshilfen. Diese unterscheiden sich sehr hinsichtlich der Zielgruppe, Funktionalität und Komplexität des Inhalts. Elektronische Kommunikationshilfen umfassen einfache Taster, Geräte mit Papierschablonen sowie dynamische Kommunikationshilfen, häufig bekannt als Talker.

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Grafiken & Fotos: OptiKomm. 

Elektronische Hilfsmittel vor allem Talker sind aufgrund der unterschiedlichen Endgeräte und Programme sehr individuell. Neben der Kommunikation verfügen Talker häufig über weitere Funktionen, wie z. B.  die Verbindung mit dem Internet oder Smartphone. Bedient werden Talker in der Regel über Touchscreen oder Augensteuerung. Die Nutzung elektronsicher Hilfsmitteln können wir aufgrund ihrer Vielfalt im Rahmen der Schulung nicht darstellen. 

Unser Tipp: Fragen Sie Ihre Patient*innen, die mithilfe von elektronischen Hilfsmittel kommunizieren, ob Sie etwas beachten sollen und lassen Sie sich auf die Kommunikation ein. 
Falls Sie daran interessiert sind, elektronische Hilfsmittel anzuschaffen, lassen Sie sich am besten von Hilfsmittelfirmen beraten. Viele Anbieter bieten Vor-Ort-Termine in Einrichtungen an, bei denen Geräte vorgestellt und ausprobiert werden können. 

 

 

Was brauche ich jetzt eigentlich? 

Wir haben Ihnen nun viele UK-Materialien und Strategien vorgestellt, um Sie für die Vielfalt zu sensibilisieren und damit Sie besser auf unterstützt kommunizierende Patient*innen eingehen können.
Für die Anwendung im praktischen Alltag gilt es zu überlegen, was in der individuellen Situation für Sie und Ihre Patient*innen sinnvoll erscheint. 

nachdenkender Arzt

Foto: Designed by Freepik. Denkblasen: OptiKomm.

Für Einrichtungen im Gesundheitswesen ist es sinnvoll, sich auf kommunikationsbeeinträchtige Menschen vorzubereiten. Für die medizinische Versorgung werden u. a. folgende Materialien empfohlen:

  • Abbildungen auf Karten, Bögen oder in Mappen zu den Themen Schmerz, Bedürfnisse, Körper, Gefühle sowie zu Themen, die für Ihre tägliche Arbeit wichtig sind.
  • Buchstabentafeln
  • Termin- und Zeittafeln
  • Wort- und Symbolkarten mit den Antworten Ja/Nein/Vielleicht/Weiß nicht
  • Thementafeln zum Ermöglichen von Hinweisen für Gesprächsthemen
  • symbolhafte und schriftsprachbasierte Darstellung von Routineabläufen
  • Kommunikationsapps und -mappen, speziell für die medizinische Versorgung 
UK bedeutet, Kommunikation mit individuellen Strategien zu ermöglichen. Im Endeffekt können Sie jedes Mittel benutzen, das Ihnen in dem Moment zur Verfügung steht. Seien Sie offen und probieren Sie verschiedene Wege aus.

 

Für Ihren Berufsalltag haben wir für Sie Materialien erstellt, die Ihnen in Gesprächen mit kommunikationsbeeinträchtigten Patient*innen helfen und mit denen Sie UK in Ihren Berufsalltag integrieren können. Sie können diese hier ganz einfach herunterladen und bei Bedarf schnell zur Hand nehmen.

Download

Falls Sie Interesse an weiteren UK-Materialien für den medizinischen und pflegerischen Bereich haben, haben wir zwei Übersichten mit Verlinkungen erstellt:

Download

Im Add On Bereich der Schulung finden Sie auch noch einmal eine Übersicht mit allen im Projekt OptiKomm entwickelten Begleitmaterialien. 

Sie möchten noch mehr zum Thema UK erfahren?

Download Ergänzend zur Schulung können Sie den Leitfaden zur Anwendung von Unterstützter Kommunkation in der mediznischen Versorgung herunterladen. Neben den Inhalten aus der Schulung, unterstüzt er Sie mittels Leitfragen bei der Wahl des passenden Kommunikationshilfsmittels und stellt anhand von Praxisbeispielen, die Anwendung von UK in unterschiedlichen medizinischen und alltäglichen Situationen dar.

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