• Abbildung: Illustration (links: "Völlige Verzweiflung" und rechts: "Zorn gemischt mit Angst"), 19. Jh.
      Typische Illustration in einem Buch
      über Physiognomie aus dem 19. Jh.;
      links: „Äußerste Verzweiflung“ und
      rechts: „Zorn mit Furcht vermischt“
      (Public Domain)

       

      Diskussionsaufgabe
      Zorn und Mitleid nach Aristoteles

      Lessings Mitleidsästhetik beruht nicht allein auf der „Poetik“ des Aristoteles, eine andere wichtige Quelle für die Rezeption der Affektenlehre ist das zweite Kapitel des zweiten Buches der aristotelischen „Rhetorik“. Bedeutsam in unserem Zusammenhang sind vor allem die Ausführungen zu den Affekten Zorn und Mitleid.

      Zum Affekt Zorn schreibt er in Kapitel 2 des 2. Buches:

      • „Zorn ist also (definiert als) ein von Schmerz begleitetes Trachten nach offenkundiger Vergeltung wegen offenkundig erfolgter Geringschätzung, die uns selbst oder einem der Unsrigen von Leuten, denen dies nicht zusteht, zugefügt wurde. Ist das also Zorn, dann zürnt notwendigerweise der Zürnende immer einer individuell bestimmbaren Person, [...] und mit dem Zorn geht notwendigerweise eine gewisse Lust einher, die der Hoffnung auf Vergeltung entspringt.“ (Aristoteles 2019, S. 79-80)


      Zum Affekt Mitleid schreibt er in Kapitel 8 des 2. Buches: 

      • „Mitleid sei definiert als eine Art Schmerz über eine anscheinend verderbliche und leidbringende Not, die jemanden, der es nicht verdient, trifft, ein Übel, das erwartungsgemäß auch und selbst oder einen der Unsrigen treffen könnte, und das ist besonders der Fall, wenn dieses nahe zu sein scheint.“ (Aristoteles 2019, S. 103)


      Beziehen Sie die Zitate nun auf den 8. Aufzug des Stückes. Fragen Sie sich, was Marwood dazu bringt, Sara zu vergiften. Ist Sara im Sinne des Aristoteles eine mitleiderregende Figur? Warum?