Wichtig ist bei diesem Thema: Die Vorfahren vieler Menschen, die heute in Deutschland leben, haben während der Zeit des Nationalsozialismus nicht in Deutschland - und viele sogar nicht in Europa - gelebt. Dadurch unterscheiden sich Erfahrungen und Wissen zu dieser Zeit in den verschiedenen Familien noch einmal deutlich.
Familienerzählungen aus der NS-Zeit wurden und werden in vielen deutschen Familien nicht vollständig weitergegeben: In vielen Familien wurde und wird gar nicht über die NS-Vergangenheit und die Rolle der eigenen Vorfahren gesprochen. In anderen Fällen wurden und werden insbesondere solche Geschichten weitererzählt, in denen Vorfahren selbst zu Opfern der NS-Verbrechen wurden oder in denen sie Widerstand gegen das NS-Regime geleistet und Opfern geholfen haben. Gleichzeitig wurden Geschichten über Verbrechen der eigenen Vorfahren, also Geschichten darüber, dass Menschen aus der eigenen Familie selbst Menschen ermordet oder andere Verbrechen begangen haben, selten weitererzählt. Es zeigt sich auch, dass die Kinder und Enkel ihre Vorfahren selten nach solchen Verbrechen gefragt haben. In vielen deutschen Familien bestehen dementsprechend „Wissenslücken“, wenn es um die Geschichte der eigenen Vorfahren geht.
Wir alle haben Vorfahren, die in der Zeit von 1933 bis 1945 gelebt haben. Selbst wenn sie nicht unmittelbar von den Ereignissen in Deutschland oder Europa betroffen waren, ist es spannend zu sehen, wie sie diese Jahre wahrgenommen haben - und ob sie etwas vom Nationalsozialismus in Deutschland mitbekommen haben.