Der einfachste Weg, etwas über die eigenen Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus zu erfahren, wäre vielleicht, direkt mit diesen Menschen zu besprechen. Je größer der zeitliche Abstand zur NS-Zeit, desto geringer aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese Familienangehörigen noch leben und wir noch persönlich mit ihnen sprechen können. Natürlich können wir andere Personen aus unserer Familie befragen, zum Beispiel unsere Eltern, was sie über die Geschichte unserer Familie wissen. Wir können sie auch fragen, ob und wie bisher in der Familie über die NS-Zeit gesprochen wurde.
Geht beides nicht, gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten, mehr über die eigene Familiengeschichte zu erfahren und zu recherchieren. Wenn man die Namen der eigenen Vorfahren kennt, kann man beispielsweise in Archiven nach ihnen suchen und darüber bestenfalls etwas über sie in Erfahrung bringen. Bekannte Archive, die auch online zugänglich sind oder bei denen online Recherche-Anträge gestellt werden können, sind die Arolsen Archives und das Bundesarchiv zur Personen- und Familienforschung. Außerdem kann es hilfreich sein, in lokalen Archiven am eigenen Wohnort zu recherchieren und eine Suchanfrage zu stellen, wenn die eigene Familie schon länger an diesem Ort lebt.Online-Material
Wie könntest Du mehr darüber erfahren, was Deine Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus getan oder erlebt haben?
Zur Frage
Zum Vergleichen
In MEMO II haben wir unsere Teilnehmer*innen konkret danach gefragt, ob sie wissen, wo oder wie man sich über die Geschichte der eigenen Familien während der Zeit des Nationalsozialismus informieren kann. Mehr als die Hälfte der Befragten (51,6 %) antwortete hier, nicht zu wissen, wie man mehr über die eigene Familiengeschichte herausfinden kann.
Quelle und mehr zum Vergleichen: MEMO II
Zum Weiterdenken
Findest Du es wichtig, dass Menschen sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen und darüber Bescheid wissen, ob ihre Vorfahren zum Beispiel zu den Verbrecher*innen während des Nationalsozialismus zählten?
Zum Aktivwerden
Sprich mit Deinen Verwandten, Eltern, Großeltern. Frage nach, ob und wie in Deiner Familie bisher über die Zeit des Nationalsozialismus gesprochen wurde. Was kannst du alles über das Leben Deiner Vorfahren herausfinden?
Zum Mehrlernen
- Das Spiel „meine Oma (88)“ befindet sich aktuell in der Entwicklung und soll sich mit der Frage beschäftigen, wie in Familien über NS-Täterschaften gesprochen wird oder gesprochen werden kann.
- Der Verein „NS-Familiengeschichte hinterfragen - erforschen - aufklären“ hat ausführliche Informationen zum Thema Familienrecherchen zusammengestellt.
- Hier findest Du den Podcast „Familiengeschichte(n)“ der Bundeszentrale für Politische Bildung, der sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema NS-Familiengeschichte befasst.
- Auch dieser Audiobeitrag von Deutschlandfunk Nova gibt Infos dazu, wie Recherchen zur eigenen Familiengeschichte funktionieren.