Als „Mitläufer*innen“ bezeichnet man meist Menschen, die sich einer Gruppe anschließen, um dazuzugehören oder nicht aufzufallen. Im Kontext der NS‑Zeit ist der Begriff jedoch nicht klar definiert. Gemeint sind häufig jene, die die Verbrechen des Regimes duldeten – weil sie dessen Ansichten teilten, Angst vor Folgen hatten oder einfach mitmachen wollten. In den sogenannten Entnazifizierungsverfahren nach 1945 wurden Menschen als „Mitläufer“ eingestuft, die das NS‑System zwar unterstützt hatten, denen aber nur geringe oder keine Schuld zugeschrieben wurde.
Online-Material
Im Zusammenhang mit der Zeit des Nationalsozialismus wird manchmal von „Mitläuferinnen und Mitläufern“ gesprochen. Wer ist damit gemeint?
Zur Frage
Zum Vergleichen
In MEMO III haben wir Teilnehmer*innen gefragt, ob sie sagen würden, dass ihre Vorfahren „Mitläufer“ in der Zeit des Nationalsozialismus waren. Die Hälfte der Befragten verneinte dies und geht davon aus, dass die eigenen Vorfahren keine Mitläufer waren.
Quelle und mehr zum Vergleichen: MEMO III
Zum Weiterdenken
Spielt der Begriff der „Mitläufer“ auch in unserer heutigen Gesellschaft eine Rolle? Würdest Du sagen, dass Du selbst manchmal in irgendeiner Form „Mitläufer*in“ bist?
Zum Aktivwerden
Höre diesen Ausschnitt aus dem Podcast vom „Helden e.V.“ (Timestamp: 02:12 – 04:59) zum „Bystander-Effekt“ in Bezug auf den Fall George Floyd.
Was ist der Bystander-Effekt? Hast Du selbst schon mal eine Situation beobachtet, in der dieser Effekt aufgetreten ist oder fällt Dir ein Beispiel aus den Nachrichten ein?
Zum Mehrlernen
- Bei Terra X History findest Du ein Video, in dem die „Psychologie der Mitläufer“ in der NS-Zeit diskutiert wird.
- Dieser Beitrag der Professorin Sabine Toppe untersucht die Frage der Mitläufer*innenschaft anhand einer bestimmten Berufsgruppe während der NS-Zeit, nämlich der sogenannten „Fürsorger*innen“.
- In diesem Deutschlandfunk-Beitrag geht es darum, welche Rolle Mitläufer*innen aus der NS-Zeit beim Aufbau der Bundesrepublik Deutschland nach 1949 gespielt haben.
- In seinem Buch „Täter, Opfer, Zuschauer“ analysiert der Autor Raul Hilberg die deutsche Gesellschaft während der Zeit des Nationalsozialismus und dabei auf die Rolle der vermeintlich unbeteiligten Menschen, die „nur zugeschaut“ haben.