Der Nationalsozialismus war nicht nur ein politisches Regime, sondern eine Weltanschauung, mit einer Ideologie die Menschen in „wertvoll“ und „minderwertig“ einteilte. Hierbei wurden Menschen nicht mehr als Individuen gesehen, sondern nach zugeschriebener „Rasse“, Herkunft, Gesundheit oder Verhalten be- und verurteilt. Wer nicht in das festgesetzte Schema passte, im NS war dies die sogenannte „Volksgemeinschaft", wurde ausgegrenzt, verfolgt und ermordet. Viele Aspekte des menschenfeindlichen Gedankenguts des Nationalsozialismus existierten schon weit vor Beginn des NS-Regimes, und viele finden sich auch in heutigen Gesellschaften. Vorurteile, Abwertungen und die Ausgrenzung von Menschen sind leider „Alltag“, manchmal offen und manchmal subtil, und niemand von uns ist ganz frei von Vorurteilen, Pauschalisierung und wertenden Gedanken anderen Menschen gegenüber.
Die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und dem rassistischen Gedankengut der Nationalsozialisten hat das Potenzial, uns für individuelle, gesellschaftliche, strukturelle und politische Menschenfeindlichkeit zu sensibilisieren und die Erwartung an die historisch-politische Bildung ist oftmals, dass das Lernen über die NS-Zeit „automatisch“ zu einer Sensibilisierung, zu einer Reduktion von Vorurteilen und zu Stärkung von Empathie und Zivilcourage führt. So einfach funktioniert „historisches Lernen“ aber natürlich nicht.