Historische Vergleiche sind eine schwierige Sache. Nicht ohne Grund gibt es eigene wissenschaftliche Bereiche, die sich mit der Frage des „Vergleichens“ beschäftigen. Natürlich lassen sich manchmal Parallelen und Ähnlichkeiten zwischen Ereignissen ausmachen, und es ist eine spannende Frage, an welcher Stelle sich Geschichte zu „wiederholen“ scheint.
Ein Vergleich zwischen der Corona-Pandemie und der NS-Diktatur, wie er in dem Beispiel gezogen wurde, ist historisch nicht haltbar. Die NS-Zeit umfasste ein totalitäres Regime, das ideologisch motiviert Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit vollständig abschaffte. Millionen von Menschen, vor allem Jüdinnen und Juden, wurden aus rassistischen Motiven systematisch entrechtet und ermordet. Politische Gegner*innen wurden verfolgt, gefoltert, ermordet.
Während in der Corona-Zeit wurden in demokratischen Staaten zeitlich begrenzte Schutzmaßnahmen (zum Beispiel Lockdowns, Maskenpflicht) auf Grundlage von Gesetzen verhängt, die gerichtlich überprüfbar waren. Medien durften kritisch berichten, Proteste waren möglich, Wahlen fanden statt. Natürlich ist es wichtig, auch die Ereignisse und politischen Entscheidungen während der Corona-Pandemie im Rückblick kritisch zu beleuchten und zu überprüfen, inwiefern sie zum Beispiel mit dem Grundgesetz vereinbar waren. Ein Vergleich zwischen dem, was Menschen in der Corona-Zeit erlebt haben, und dem, was die Opfer des Nationalsozialismus ertragen mussten, ist aber nicht haltbar und relativiert das Leid der NS-Opfer.