Geschichtliche Ereignisse – Modernes Design
Symbolgrafik

In einer Gesprächsrunde sagt jemand: „In der Corona-Zeit gab es so viele Regeln und Einschränkungen durch den Staat - das war doch eigentlich nichts anderes als das, was die Leute damals in der Zeit des Nationalsozialismus erlebt haben.“

Wie reagierst Du auf die Aussage?

Zur Frage

Historische Vergleiche sind eine schwierige Sache, nicht ohne Grund gibt es eigene wissenschaftliche Bereiche, die sich der Frage des Vergleichens beschäftigen. Natürlich lassen sich manchmal Parallelen und Ähnlichkeiten zwischen Ereignisse ausmachen, und es ist eine spannende Frage, an welcher Stelle sich Geschichte, zumindest auf den ersten Blick, zu „wiederholen“ scheint. Ein Vergleich zwischen der Corona-Pandemie und der NS-Diktatur, wie er in dem Beispiel gezogen wurde, ist historisch nichthaltbar.

Die NS-Zeit umfasste ein totalitäres Regime, das ideologisch motiviert Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit vollständig abschaffte. Millionen von Menschen, vor allem Jüdinnen und Juden, wurden aus rassistischen Motiven systematisch entrechtet und ermordet. Politische Gegner*innen wurden verfolgt, gefoltert, ermordet.

Während in der Corona-Zeit wurden in demokratischen Staaten zeitlich begrenzte Schutzmaßnahmen verhängt (z.B. Lockdowns, Maskenpflicht) auf Grundlage von Gesetzen, die gerichtlich überprüfbar waren. Medien durften kritisch berichten, Proteste waren möglich, Wahlen fanden statt. Natürlich ist es wichtig, auch die Ereignisse und politischen Entscheidungen während der Corona-Pandemie im Rückblick kritisch zu beleuchten und zu überprüfen, inwiefern sie zum Beispiel mit dem Grundgesetz vereinbar waren. Ein Vergleich zwischen dem, was Menschen in der Corona-Zeit erlebt haben, und dem, was die Opfer des Nationalsozialismus ertragen mussten, ist aber nicht haltbar und relativiert das Leid der NS-Opfer.

Zum Vergleichen

In MEMO IV lehnte der größte Teil der Befragten (89,2 %) es „eher“ oder „stark“ ab, dass das Leiden der deutschen Bevölkerung während der Corona-Pandemie mit dem Leid der Menschen während der NS-Zeit verglichen wird. Jede*r zehnte Befragte (10,0 %) fand diesen Vergleich mindestens teilweise berechtigt.

Quelle und mehr zum Vergleichen: MEMO IV

Zum Weiterdenken

Wie kann man die Gefühle einer Person ernst nehmen, die revisionistische Perspektiven vertritt, zum Beispiel direkte Vergleiche zwischen der Corona-Pandemie und der NS-Zeit, und sich trotzdem klar in Bezug auf die historischen Fakten positionieren?

Zum Aktivwerden

Recherchiere Beispiele für Vergleiche, die während der Corona-Pandemie zwischen staatlichen Maßnahmen und der Zeit des Nationalsozialismus gezogen wurden. Finde konkrete Aussagen, Bilder oder Aktionen, in denen solche Vergleiche hergestellt wurden. Beschreibe, worauf sich der Vergleich jeweils bezieht. Informiere Dich über die historischen Hintergründe und ordne ein, ob der Vergleich sachlich haltbar ist. Reflektiere abschließend Deine eigene Einschätzung dazu: Wie bewertest Du solche Vergleiche und warum? (Achte darauf, Deine Quellen nachvollziehbar anzugeben und Inhalte kritisch zu prüfen.)

Zum Mehrlernen