Im Kontext der NS-Zeit ist mit dem Begriff „Schlussstrich“ die Vorstellung gemeint, die gesellschaftliche Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus abzuschließen und nicht mehr darüber zu sprechen oder aktiv daran zu erinnern. Die Schlussstrichforderung steht im Gegensatz zur Idee der „Vergangenheitsbewältigung“, also ein aktives Auseinandersetzen mit dem Vergangenen, auch wenn es negativ oder belastend ist, um daraus zu lernen. Forderungen, sich nicht (mehr) mit der NS-Vergangenheit und der Frage einer möglichen Schuld auseinandersetzen, gab es schon direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und viele Deutsche wollten verdrängen und vergessen, was in dieser Zeit passiert ist, auch um sich nicht mit der eigenen Beteiligung und Verantwortung zu befassen.
Die Gründe dafür, dass Menschen heute einen „Schlussstrich“ fordern, sind vielfältig: Manche befürchten, dass ein genauer Blick auf die Vergangenheit unangenehme Wahrheiten über das eigene familiäre Umfeld ans Licht bringen könnte. Andere empfinden die wiederholte Auseinandersetzung als ermüdend oder überflüssig und sind der Meinung, dass diese Vergangenheit mit ihrem Leben nichts mehr zu tun hat. Für einige steht dahinter eine Abwehrhaltung, weil die Konfrontation mit Fragen von Verantwortung und Leid schwer auszuhalten ist. Es gibt auch politische Motive, vor allem von rechtsextremen Gruppen, die den „Schlussstrich“-Gedanken gezielt nutzen, um die Erinnerungskultur zu schwächen und rechtes und nationalsozialistisches Gedankengut wieder „sagbar“ zu machen.