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Symbolgrafik

Warum wollen manche Menschen einen „Schlussstrich“ unter die Zeit des Nationalsozialismus ziehen und nicht mehr über diese Zeit sprechen?

Zur Frage

Im Kontext der NS-Zeit ist mit dem Begriff „Schlussstrich“ die Vorstellung gemeint, die gesellschaftliche Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus abzuschließen und nicht mehr darüber zu sprechen oder aktiv daran zu erinnern. Die Schlussstrichforderung steht im Gegensatz zur Idee der „Vergangenheitsbewältigung“, also ein aktives Auseinandersetzen mit dem Vergangenen, auch wenn es negativ oder belastend ist, um daraus zu lernen. Forderungen, sich nicht (mehr) mit der NS-Vergangenheit und der Frage einer möglichen Schuld auseinandersetzen, gab es schon direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und viele Deutsche wollten verdrängen und vergessen, was in dieser Zeit passiert ist, auch um sich nicht mit der eigenen Beteiligung und Verantwortung zu befassen.

Die Gründe dafür, dass Menschen heute einen „Schlussstrich“ fordern, sind vielfältig: Manche befürchten, dass ein genauer Blick auf die Vergangenheit unangenehme Wahrheiten über das eigene familiäre Umfeld ans Licht bringen könnte. Andere empfinden die wiederholte Auseinandersetzung als ermüdend oder überflüssig und sind der Meinung, dass diese Vergangenheit mit ihrem Leben nichts mehr zu tun hat. Für einige steht dahinter eine Abwehrhaltung, weil die Konfrontation mit Fragen von Verantwortung und Leid schwer auszuhalten ist. Es gibt auch politische Motive, vor allem von rechtsextremen Gruppen, die den „Schlussstrich“-Gedanken gezielt nutzen, um die Erinnerungskultur zu schwächen und rechtes und nationalsozialistisches Gedankengut wieder „sagbar“ zu machen.

Zum Vergleichen

In MEMO III stimmte mehr als ein Viertel aller Befragten (27,1 %) der Aussage „eher“ oder „stark“ zu, dass es Zeit für einen „Schlussstrich“ unter die nationalsozialistische deutsche Vergangenheit sei. In der weiteren Auswertung zeigte sich dabei, dass diejenigen, die einen Schlussstrich befürworteten, sich auch weniger intensiv mit der NS-Zeit auseinandergesetzt haben. Es zeigte sich zudem, dass sie eine stärkere Tendenz zu verzerrenden Perspektiven auf die NS-Zeit hatten – beispielsweise gingen sie stärker davon aus, dass die damalige deutsche Bevölkerung nichts von der systematischen Ermordung von Menschen in dieser Zeit wusste.

Quelle und mehr zum Vergleichen: MEMO III

Zum Weiterdenken

Was würde passieren, wenn unsere Gesellschaft kollektiv beschließen würde, nicht mehr über die NS-Zeit und die Verbrechen in dieser Zeit zu sprechen?

Zum Aktivwerden

„Erinnerung in kleinen Dosen“: Überlege Dir eine einfache Geste oder ein kleines Ritual für Deinen Alltag, das Dich regelmäßig an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Das kann zum Beispiel sein:

  • Bei Spaziergängen bewusst auf Stolpersteine oder Gedenktafeln zu achten.
  • Ein bestimmtes Datum im Jahr im Kalender zu markieren.
  • Regelmäßig ein Buch, einen Text oder einen Film zum Thema auszuwählen.
  • Einen historischen Ort in deiner Umgebung immer wieder aufzusuchen.
  • Oder eine andere persönliche Form des Erinnerns zu entwickeln.
Zum Mehrlernen