Die Zeit des Nationalsozialismus ist kein zeitlich fest begrenzter oder abgeschlossener historischer Zeitraum, auch wenn die Herrschaft des NS-Regimes mit der Kriegsniederlage im Jahr 1945 endete. Das Gedankengut, das sich in der NS-Zeit in extremer Form in Menschenfeindlichkeit und Vernichtungsfantasien äußerte, hat eine lange Vorgeschichte. Natürlich existierte und existiert die nationalsozialistische Ideologie auch nach 1945 fort - allein schon, weil viele der Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen wurden und ein großer Teil der deutschen Bevölkerung menschenfeindliche Einstellungen des Regimes teilte. Entsprechend lassen sich unzählige Ereignisse, Vorfälle und Verbrechen nach 1945 aufzeigen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit der NS-Zeit standen. Auch gibt es bis heute Strafverfahren gegen ehemalige Täter*innen, auch wenn diese inzwischen hochbetagt sind.
Nationalsozialistisches Gedankengut wird in Deutschland und weltweit von rechten und rechtsextremen Gruppen teils ungehemmt vertreten. Immer wieder werden Menschen aus rechtsextremen und rassistischen Motiven angegriffen oder sogar ermordet. Auch in der sogenannten „Mitte der Gesellschaft“ lassen sich in Studien Einstellungen nachweisen, die anschlussfähig sind das nationalsozialistische Weltbild. Ein besonders bekanntes Beispiel für Verbrechen, die in direktem Zusammenhang mit der NS-Zeit stehen, sind die Taten der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), die in der Zeit von 2000 bis 2007 neun Menschen aus rassistischen Motiven und eine Polizistin ermordete. Die Gruppe bezog sich dabei ideologisch unmittelbar auf die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus. Andere Ereignisse in Deutschland, die hier eingeordnet werden können:
- Der Mord an Walter Lübcke (2. Juni 2019)
- Der Anschlag auf die Synagoge in Hallte (9. Oktober 2019)
- Der Anschlag in Hanau (19. Februar 2020)