Auch diese Frage ist sehr komplex und nicht eindeutig zu beantworten. Wenn man die Zeit des Nationalsozialismus mit heute vergleicht, fallen natürlich erst einmal viele gesellschaftliche und politische Unterschiede auf, die zum Beispiel damit zusammenhängen, dass wir heute in einer Demokratie leben, aber auch damit, dass seit der NS-Zeit viel Zeit vergangen ist und die Welt und der Alltag sich insgesamt verändert haben. Bei genauerem Hinsehen kann man aber auch Ähnlichkeiten oder Muster ausmachen, die an das Geschehen in der NS-Zeit erinnern können.
Beispielsweise nutzten die Nationalsozialisten gezielt Propaganda, um gesellschaftliche Ängste zu schüren, Feindbilder zu schaffen und die Gesellschaft zu spalten. Heute begegnen uns ähnliche Mechanismen in anderer Form zum Beispiel in den sozialen Medien, wenn Falschinformationen, Hass oder Verschwörungserzählungen verbreitet werden. Auch das Prinzip des gesellschaftlichen „Sündenbocks“ können wir heute wiederfinden: Im Dritten Reich wurden Minderheiten wie Jüdinnen und Juden, Sinti*zze und Rom*nja oder politische Gegner*innen für gesellschaftliche Probleme und Krisen verantwortlich und zum Feindbild gemacht. Auch heute ist zu beobachten, dass bestimmte Gruppen, zum Beispiel geflüchtete Menschen oder religiöse Minderheiten, in politischen oder gesellschaftlichen Debatten undifferenziert zum „Problem“ gemacht werden.
Es ist wichtig, die Unterschiede zwischen heute und der NS-Zeit klar zu benennen. Wir leben in einer Demokratie mit freien Wahlen, einer freien Presse, mit Meinungsfreiheit, mit unabhängigen Gerichten und starken Grundrechten, die zum Teil unmittelbar aus den Ereignissen während der NS-Zeit entstanden sind. Es lohnt sich jedoch an den Stellen besonders aufmerksam zu sein, an denen uns Argumentationsmuster, Bilder oder Parolen an die Vergangenheit erinnern, wenn wir gefährlichen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen entgegenwirken wollen.