1.1. Was meinen wir mit dem Begriff ›Medien‹?

Stop and Think

Welche Begrifflichkeiten sind für Sie relevant, wenn Sie an diesen Kurs denken?

Eine Wortwolke, in der rund um den Begriff ›Medien‹ dazu passende Begriffe stehen.

Abb. 1.1: Medienbegriffe.
Quelle: eigene Darstellung.

Alltagssprachlich meint man mit dem Begriff ›Medien‹ meist Massenmedien wie das Internet, Fernsehen oder Radio. In den Kommunikations- und Medienwissenschaften wird der Begriff viel grundlegender verstanden und Medien werden meist als »Mittler von Kommunikation« bezeichnet, wobei der Medienbegriff z.T. sehr weit ausgelegt wird.

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Überlegen Sie, was Sie als Medien oder Medium bezeichnen. Welche Arten von Medien fallen Ihnen ein?

Venus (2009: 264) schreibt: »Medien sind – soweit besteht Konsens in den Medienwissenschaften – Institutionen und Technologien, die Bilder, Klänge, Texte und ihre Kombinationsformen (re-)produzieren, speichern, transformieren und verfügbar machen.« So können mit dem Begriff Medien je nach Kontext sowohl Inhalt (Informationen oder Daten) als auch Institution (Medienanstalten, Medienhäuser), Form (Roman, Gedicht, Kurzfilm, Podcasts) oder Kanal (Bild, Audio, Bewegt-Bild, Buch, Internet) gemeint sein.

Eine sehr häufig genutzte Unterteilung von Medien ist die von Pross (1970), der zwischen primären, sekundären und tertiären Medien unterscheidet. Als primäre Medien werden Medien bezeichnet, die keine technischen Hilfsmittel benötigen. So zählen Gespräche, Mimik und Gestik zu primären Medien, da über die Sinneskanäle des Menschen Informationen direkt von Person zu Person ausgetauscht werden. Ist nur auf der Seite des*r Absender*in ein Gerät nötig, handelt es sich um sekundäre Medien. Darunter fallen bspw. Plakate, Bücher, Briefe, Flaggensignale oder Rauchzeichen. Wird sowohl auf Seiten des*r Absender*in als auch des*r Empfänger*in ein technisches Gerät benötigt, handelt es sich nach Pross um tertiäre Medien. Dies ist bei allen elektronischen Medien wie dem Telefon, E-Mail, Rundfunk und Fernsehen der Fall. Einige Wissenschaftler*innen ordnen Medien, für die es einer Internetverbindung bedarf, wie E-Mail, Soziale Netzwerke und Videoplattformen, den quartären Medien zu.

Medien stehen, das macht diese Unterteilung deutlich, zwischen Menschen und/oder Geräten (siehe auch Einheit Medien.Didaktik). So kann das Wort ›Medium‹ zurückgeführt werden auf das lateinische ›medius‹, das so viel heißt wie »in der Mitte befindlich« (vgl. Dudenredaktion 2023 ).

Abb. 1.2: Der Raum als Medium und Mittler von Informationen.
Quelle: eigene Darstellung.

Sehr weit ausgelegt wird der Medienbegriff z.B. von Muuß-Merholz, der Medien als »Das um uns herum, das, worin Leben stattfindet« oder auch »Das, was zwischen uns und dem Rest der Welt ist und uns miteinander verbindet« beschreibt (Muuß-Merholz 2021: Min. 1:38-1:45).

In seinem Video »Das Medium des Pinguins – die blaue und die grüne Medienwelt« beschreibt er zudem, dass wir im Umgang mit digitalen Medien auf neue Begebenheiten treffen und sie somit mehr sind als ein bloßes Werkzeug. So verändern bspw. digitale Schreibtools, die das zeitgleiche, ortsunabhängige Schreiben ermöglichen, den Schreibprozess an sich.

Video: »Das Medium des Pinguins – die blaue und die grüne Medienwelt«

Definition

Im Rahmen dieses Kurses wird der Begriff ›Medien‹ meist entsprechend Tulodziecki, Herzig und Grafes pragmatischen Begriffsverständnisses genutzt, wobei »Medien als Mittler zu verstehen [sind], durch die in kommunikativen Zusammenhängen potenzielle Zeichen mit technischer Unterstützung aufgenommen bzw. erzeugt und verarbeitet, übertragen, gespeichert oder wiedergegeben bzw. präsentiert […] und verfügbar« (Tulodziecki et al. 2021: 33) werden. Medien können demnach ebenso Medienbereiche oder Medienarten sein, wie das Fernsehen oder der Computer, oder auch ein konkretes Medienangebot, wie eine bestimmte Fernsehsendung oder eine bestimmte Website (vgl. ebd.: 34). Zudem werden wir im Sinne des Titels »Medienkompetenz für die digitale Welt« insbesondere auf Phänomene, Praktiken, Chancen und Herausforderungen digitaler Medien eingehen. Bevor wir jedoch die Begriffe ›Digitalisierung‹ und ›Digitalität‹ näher beschreiben, soll zunächst ein kurzer Blick auf die Begriffe ›Medienbildung‹ und ›Medienkompetenz‹ geworfen werden.